Aufstellungsarbeit in Griechenland: eine Woche, die nachwirkt

Zwischen dem letzten Satz einer Aufstellung und den ersten Schritten ins Meer lagen keine fünf Minuten. Genau das hat diese Woche ausgemacht.

Sieben Tage SDI-Intensiv in Chalkidiki: Aufstellungsarbeit am Vormittag, offene Nachmittage, gemeinsame Abende. Was ich mitgenommen habe, passt schwer in einen Satz. Am ehesten so: Aufstellungsarbeit wirkt anders, wenn danach kein Termin wartet, kein Zurück ins Büro, kein Umschalten nach zwei Stunden.

Warum Aufstellungsarbeit in dieser Woche so tief gegangen ist

SDI steht für System-Dynamische Interventionen. Was viele unter dem Begriff Familienaufstellung kennen, ist ein Teil davon. Die Methode arbeitet nicht an der äußeren Wirklichkeit, sie arbeitet an der inneren Abbildung davon. An dem Bild also, das wir von unserer Herkunft, unserer Gegenwart und unserer Zukunft in uns tragen.

Repräsentant:innen nehmen Positionen ein, spüren nach, sagen, was sie körperlich wahrnehmen. Mehr braucht es oft nicht, damit ein System sichtbar wird. Genau das macht diese Arbeit so unmittelbar: Es wird nicht über ein Thema gesprochen, es steht im Raum. Wer schon einmal als Stellvertretung in einer Aufstellung stand, kennt diesen Moment, in dem sich der eigene Körper plötzlich anders anfühlt, ohne dass man etwas über die Familie weiß, um die es geht.

In einer regulären Seminarwoche in Wien folgt darauf die U-Bahn. Hier folgte darauf das Meer.

Was nach dem Seminarraum passiert ist

Der Vormittag gehörte der Aufstellungsarbeit. Danach war der Tag offen, und genau das hat die Woche getragen.

Übungen unter Palmen, zu zweit oder zu dritt, mit dem Meer im Blick. Nachmittage im Pool, in denen aus einer Runde Frisbee ein langes Gespräch wurde. Barfußspaziergänge am Strand. Lange Tafeln beim Abendessen, an denen niemand pünktlich aufstand. Und dann die Beachparty, bei der sich gezeigt hat: Eine Gruppe, die morgens miteinander geweint hat, tanzt abends besonders gut miteinander.

Ein Teil der Gruppe hat draußen vor dem Blue Lagoon Beach sogar Delfine gesehen. So etwas plant niemand in ein Seminarkonzept hinein.

Diese Stunden zwischen den offiziellen Einheiten sind kein Beiwerk. Vieles von dem, was am Vormittag aufgetaucht ist, hat sich erst dort sortiert. Im Wasser, beim Essen, im Gespräch auf dem Weg zum Strand.

Der Rahmen: Kassandra Palace in Kriopigi

Das Hotel war der halbe Erfolg. Das Kassandra Palace Seaside Resort liegt in Kriopigi auf der Halbinsel Kassandra und breitet sich über rund 70.000 Quadratmeter aus. Essen, Zimmer und Gastfreundschaft waren ausgezeichnet, und der Weg vom Seminarraum zum Wasser dauerte keine fünf Minuten. Für ein Format, das Arbeit und Erholung verbindet, macht dieser kurze Weg mehr aus, als man vorher denkt. Danke an das ganze Kassandra Team die den Urlaub unvergesslich machen, mit einem Speziellen Dank an Despina, die uns über 6 Jahre schon dort begleitet.

Erholung und Arbeit an sich selbst schließen einander nicht aus

Viele Menschen schaffen es im Urlaub kaum, den Kopf frei zu bekommen. Laut einer Statista-Auswertung zur Erholung im Sommerurlaub bekommt ein Drittel der Befragten erst nach dem dritten Urlaubstag Abstand von der Arbeit, weitere 27 Prozent brauchen dafür eine ganze Woche.

Genau da liegt der Vorteil eines Formats über sieben Tage. Die ersten Tage lösen den Alltag ab, und ab der Mitte der Woche geht die Aufstellungsarbeit spürbar tiefer. Der Körper ist entspannt, die To-do-Liste weit weg, die Aufnahmefähigkeit steigt. Für mich war das die stimmigste Mischung seit langem.

Selbstverteidigung am Strand: danke, David

Ein schöner Nebeneffekt einer Gruppe, in der viel Kompetenz zusammenkommt: Es gibt immer jemanden, der etwas mitbringt. David Dreer, selbst Teilnehmer, hat spontan einen Selbstverteidigungskurs mit uns gemacht. Ein paar sehr konkrete Griffe, viel Lachen, und am Ende eine Gruppe, die sich anders bewegt hat als vorher.

Das passt inhaltlich besser zusammen, als es zunächst klingt. In einer Aufstellung geht es um Positionen, um Abstand, um den eigenen Platz. Selbstverteidigung übersetzt das ins Körperliche. Wo stehe ich, wie viel Raum nehme ich ein, wann sage ich Stopp. Danke dafür, David von flow-factory

Ganze Familien statt einsamer Seminarräume

Das Besondere an dieser Woche: Es waren komplette Familien vor Ort. Partner:innen und Kinder, die dort Urlaub gemacht haben, während ein Teil der Gruppe im Seminarraum stand. Nachmittags saßen dann alle gemeinsam am Strand, jung und alt, langjährige Teilnehmende und Menschen, die zum ersten Mal dabei waren.

Das verändert die Atmosphäre. Wer sich mit Herkunft, mit Verstrickungen und mit den eigenen Systemen beschäftigt, geht abends nicht allein ins Hotelzimmer zurück. Die eigene Familie war real anwesend, oft nur ein paar Meter entfernt. Für manche in der Gruppe war das der eigentliche Wirkfaktor der Woche.

Was das für Dich bedeutet

Aufstellungsarbeit ist kein esoterisches Randthema. An der Universität Heidelberg wurde ihre Wirkung erstmals in einer randomisiert-kontrollierten Studie untersucht, über die auch die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie berichtet hat. Die Teilnehmenden zeigten im Durchschnitt positive Veränderungen in der psychischen Gesundheit und im Erleben ihrer wichtigsten sozialen Systeme.

Wenn Du gerade an einem Punkt stehst, an dem sich etwas wiederholt, das Du längst hinter Dir wähnst, dann lohnt sich der Blick auf das System dahinter. Entwickelt hat SDI Dr. Roman Braun, der die Woche in Griechenland auch geleitet hat. Anfang der 90er-Jahre hat er zusammengetragen, was bei Hellinger, Minuchin und Satir unter den Worten gleich funktioniert. Daraus wurde eine schulenübergreifende Landkarte für systemisches Arbeiten.

Und wenn Du das Format reizvoll findest: Das SDI-Intensiv von Trinergy International verbindet Seminar und Urlaub in einer Woche. Fotostrecken und weitere Eindrücke gibt es im Rückblick auf das SDI-Intensiv und im Bericht 7 Tage Transformation.

Häufige Fragen zur Aufstellungsarbeit

Was ist Aufstellungsarbeit genau?

Sie macht die innere Abbildung eines Systems im Raum sichtbar. Personen aus der Gruppe nehmen stellvertretend Positionen ein und geben zurück, was sie körperlich wahrnehmen. Daraus wird erkennbar, welche Dynamik in einer Familie, einem Team oder einer Organisation wirkt. Verändert wird nicht die Vergangenheit, verändert wird das innere Bild davon.

Ist Aufstellungsarbeit dasselbe wie Familienaufstellung?

Die Familienaufstellung ist die bekannteste Form. Aufstellungsarbeit umfasst mehr: Team- und Organisationsaufstellungen, abstrakte Formate wie das Tetralemma und Entscheidungsaufstellungen. Die Grundmechanik ist dieselbe, das aufgestellte System unterscheidet sich.

Brauche ich Vorerfahrung für ein Seminar mit Aufstellungsarbeit?

Nein. Als Repräsentant:in brauchst Du kein Vorwissen, im Gegenteil: Je weniger Du über das aufgestellte System weißt, desto verlässlicher ist Deine Wahrnehmung. Auch als Klient:in reicht ein konkretes Anliegen völlig aus.

Warum ein Seminar im Ausland und nicht in Wien?

Weil Abstand ein Wirkfaktor ist. Sieben Tage ohne Alltag verändern, wie viel von einem Seminar tatsächlich ankommt. Dazu kommt der Gruppeneffekt: Wer eine Woche gemeinsam isst, übt und am Strand sitzt, arbeitet im Seminarraum vertrauensvoller miteinander.

Ist Aufstellungsarbeit für jeden geeignet?

Nicht in jeder Situation. Bei akuten psychischen Krisen ist eine therapeutische Begleitung der richtige Weg. Für Menschen in stabiler Verfassung, die an wiederkehrenden Mustern arbeiten wollen, ist dieses Format sehr direkt. Im Erstgespräch klären wir gemeinsam, ob es für Dein Anliegen passt.

Dankbar für diese Reise, für die Gruppe und für jede einzelne Aufstellung. Wenn Du wissen willst, was Aufstellungsarbeit für Dein Thema bringen kann, dann fang dort an, wo für die meisten von uns alles begonnen hat.

Starte auch Du: NLP Kompakt bei Trinergy International

Roman Braun - Trinergy - NLP - Coaching - Mann mit Jacke über der Schulter, freundlich lächelnd.

Autor

Dr. Roman Braun

  • Erster NLP Master-Trainer in Österreich
  • Entwickler des Trinergy® NLP und der Akupulsur
  • Bestseller-Autor
  • Rhetorik-Trainer österreichischer Olympia-Sportler
  • Mentalcoach von Weltcupsiegern, Spitzenpolitikern und Weltmeistern
  • uvm.
0