Fünf Vereine, fünf Trainer, fünf völlig verschiedene Arten, mit Menschen umzugehen. Für „Heute“ hat Dr. Roman Braun die Trainer der größten österreichischen Klubs analysiert … nicht nach Taktik, sondern nach Sprache, Körpersprache und Führungsstil. Den vollständigen Artikel liest Du hier: Experte zerlegt Top-Trainer: „Fehlbesetzung bei Rapid“.
Danny Röhl, Didi Kühbauer, Johannes Hoff Thorup, Stephan Helm, Fabio Ingolitsch. Jeder von ihnen hat Zugang zu denselben Trainingsmethoden, denselben Daten, derselben Videoanalyse. Was sie unterscheidet, ist die Art, wie sie mit ihren Spielern reden.
Genau das passiert in jedem Unternehmen jeden Montag um neun. Nur schaut dort niemand so genau hin.
Inhalt
Den Führungsstil erkennst Du an der Sprache
Menschen verraten ihr Muster in der Satzlänge. In der Wortwahl. In dem, was sie betonen und was sie weglassen.
Ein Trainer, der von „Umschaltsituationen“ spricht, arbeitet anders als einer, der beim „Konter“ bleibt. Beide meinen dieselbe Spielsituation. Beide erreichen völlig verschiedene Menschen damit. Der eine holt die Analytiker ab, der andere den Kabinentrakt.
Wer einen Führungsstil einschätzen will, muss deshalb keine Organigramme lesen. Zwei Minuten Interview genügen. Paul Watzlawick hat den Grund dafür auf die kürzeste mögliche Formel gebracht: Die Landkarte ist nicht das Gebiet. Jeder Mensch trägt seine eigene innere Karte mit sich, und seine Sprache zeichnet sie nach.
Sachebene und Beziehungsebene
Jede Botschaft läuft auf zwei Kanälen gleichzeitig. Der eine transportiert Inhalt, der andere Beziehung. Und der Beziehungsaspekt bestimmt, wie der Inhalt gehört wird.
In der Trainer-Analyse taucht dieses Muster in Reinform auf: hervorragende Konzepte, streng strukturierte Sprache, kaum emotionale Verstärker, sparsame Körpersprache. Fachlich stark, auf der sozialen Ebene dünn. Roman Braun spricht hier von einer möglichen Form von Toxic Leadership und beschreibt die Folge nüchtern. Solange die Spieler die Ideen aufnehmen, trägt dieser Führungsstil. Bleibt die Umsetzung aus, wächst der Ärger über jene, die es angeblich nicht verstehen. Ab da beginnt eine Abwärtsspirale.
Am anderen Ende des Spektrums steht der Typ, der sein Tempo variiert und seine Stimmung offen zeigt. Dazu ein Satz aus dem Interview, der die ganze Logik trägt:
„Man kann nur auf der Ebene der Emotionen wirklich Kontakt zu jemandem aufbauen.“
Das ist keine Absage an Sachlichkeit. Es ist eine Reihenfolge. Erst Kontakt, dann Inhalt.
Die Zahlen dazu sind eindeutig. Der Gallup Engagement Index weist seit Jahren aus, dass nur rund zehn Prozent der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben. Als Hauptursache benennt Gallup die direkte Führung. Der Rest macht Dienst nach Vorschrift … also exakt das, was ein Trainer erlebt, dessen Mannschaft die Konzepte versteht und trotzdem nicht läuft.
Appetenz und Aversion: Karotte oder Stock
Der spannendste Teil der Analyse ist die Frage, welcher Führungsstil in welchen Kontext gehört. Roman Braun arbeitet dabei mit zwei Motivationsrichtungen aus dem NLP.
Aversion heißt: weg von etwas. Vermeiden, absichern, Schaden abwenden. Diese Menschen laufen zu Höchstform auf, wenn es brennt. Sanierer, Krisenmanager, Feuerwehr.
Appetenz heißt: hin zu etwas. Erreichen, aufbauen, gewinnen. Diese Menschen brauchen ein Bild vom Ziel, das stärker zieht als die Anstrengung.
Beide Muster sind Ressourcen. Kritisch wird es erst bei fehlender Passung. Ein Krisenmanager an der Spitze einer Mannschaft aus jungen, karriereorientierten Spielern spricht schlicht die falsche Sprache. Die Spieler wollen wissen, wohin sie sich entwickeln. Er redet davon, was zu vermeiden ist.
Für Dich heißt das: Prüfe vor jedem Gespräch, in welche Richtung Dein Gegenüber motiviert ist. Und ob Deine Formulierung gerade ein Ziel zeichnet oder eine Gefahr beschreibt.
Der richtige Typ im richtigen Kontext
Kein Führungsstil ist per se gut oder schlecht. Genau das macht die Analyse brauchbar. Ein emotionaler Typ mit spontanem Schmäh funktioniert dort, wo ihm ein Management den Rücken freihält und die passenden Spieler liefert. Derselbe Typ ist an anderer Stelle an genau diesen Rahmenbedingungen gescheitert.
Ein analytischer, reflektierter Typ eignet sich für Aufbauarbeit über mehrere Jahre. Ob er im entscheidenden Spiel die letzten Prozente herausholt, ist eine zweite Frage.
Und ein Trainer, der akademische Reflexion mit metaphernreicher, emotionaler Sprache verbindet, bringt beides mit. Kopf und Bauch. Das ist die seltenste Kombination und die stärkste.
Interessant dabei: Eine Studie von Fraunhofer IAO und DGFP hat Führungskräfte gefragt, welche Kompetenzen künftig zählen. Fachwissen landete auf dem letzten Platz. Vertrauen und Kommunikationsfähigkeit standen ganz oben.
Was das für Deinen eigenen Führungsstil bedeutet
Vier Fragen vor dem nächsten Teammeeting:
Erreiche ich jeden Einzelnen anders? Ein guter Trainer spürt jeden Spieler anders und weiß, dass er jeden anders anpacken muss. Eine Ansprache für alle erreicht statistisch niemanden ganz.
Läuft meine Botschaft auch über die Beziehungsebene? Lies Deine letzten drei E-Mails. Steht dort ausschließlich Inhalt, fehlt der Kanal, über den Inhalt überhaupt ankommt. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Führungskommunikation.
Kenne ich die Motivationsrichtung meiner Leute? Wer bewegt sich auf ein Ziel zu, wer weg von einem Risiko? Die Antwort verändert jede einzelne Formulierung.
Habe ich die Meinungsführer an Bord? In jedem Team gibt es zwei bis drei Personen, an denen sich die anderen orientieren. Ohne sie erreichst Du die Gruppe nicht. Mit ihnen bewegst Du sie fast von allein.
Bei Trinergy arbeiten wir dafür mit der Formel E = L × K². Erfolg ist Leistung mal Kommunikation im Quadrat. Fachliche Leistung bildet die Basis, die Qualität der Kommunikation multipliziert sie. Rechnerisch landet ein Trainer mit brillanten Konzepten und schwacher Beziehungsarbeit deshalb hinter einem, der beides solide beherrscht. Wie Du diese Werkzeuge im Alltag einsetzt, lernst Du in NLP-Kompakt.
FAQ
Wie kann ich den Führungsstil einer Person erkennen?
Achte auf Sprache und Körpersprache statt auf Titel. Kurze Sätze mit vielen Pausen deuten auf einen introvertierten, analytischen Typ hin. Wechselndes Tempo, offene Mimik und Bilder in der Sprache zeigen einen emotional führenden Typ. Beide Muster sind innerhalb weniger Minuten Gespräch sichtbar.
Welcher Führungsstil ist der beste?
Keiner für sich allein. Entscheidend ist die Passung zwischen Person, Team und Aufgabe. Ein Sanierer bringt in der Krise Höchstleistung und scheitert oft in einer Aufbauphase. Ein aufbauender Typ liefert über Jahre Entwicklung und holt im entscheidenden Moment seltener die letzten Prozente.
Was hat NLP mit Führungsstil zu tun?
NLP liefert die Beobachtungsraster dafür: Metaprogramme, Repräsentationssysteme, Sprachmuster. Damit lässt sich beschreiben, wie ein Mensch Informationen verarbeitet und worauf er reagiert. Genau darauf baut die Analyse der fünf Trainer auf. Vertiefend dazu unser Beitrag zur Sprache der Führung.
Warum reicht Fachkompetenz in der Führung nicht aus?
Fachliche Exzellenz trägt so lange, wie alles nach Plan läuft. Sobald es eng wird, entscheidet die Beziehungsebene darüber, ob Menschen mitgehen. Studien zur Führungskompetenz reihen Fachwissen konsequent hinter Vertrauen und Kommunikationsfähigkeit.
Lässt sich der eigene Führungsstil verändern?
Ja, in Grenzen. Das Grundmuster bleibt meist stabil, die Bandbreite lässt sich deutlich erweitern. Wer bisher rein sachlich geführt hat, kann emotionale Ansprache trainieren wie eine Sprache. Genau daran arbeiten Teilnehmer in der NLP-Ausbildung.
Dr. Roman Braun ist Österreichs erster zertifizierter NLP-Mastertrainer, offizieller Rhetorik-Trainer der österreichischen Olympia-Sportler und Mentalcoach von Weltcupsiegern, Spitzenpolitikern und Weltmeistern. Mit über 50.000 Teilnehmern ist Trinergy Europas größtes NLP-Institut.
